† Ein Jahr ohne unseren Kater Asrael

Asraels Lieblingsplatz

Die Zeit fliegt dahin wie eine Wolke im Wind. Und eben wie ein endender Sommertag die Wolken mit sich auf seine Reise nimmt, nahmst du unseren geliebten Kater Asrael mit dir fort.

Mein alter Freund, noch immer höre ich Deinen Atem und fühle wie sich Deine Brust regelmäßig hebt und senkt, wenn Du am Abend bei mir geruht hast. Noch immer erinnere ich mich an unser „Ritual“ bevor Du sanft eingeschlafen bist. Wir haben uns stets einander versichert, dann wenn Dein Köpflein in meiner Hand ruhte und Du sanft gegen sie gestoßen hast um zu sehen, das ich Dir Antwort gab.

Das war einzig Deine Art und ganz einmalig. Nachdem Dein Bruder Nepomuk starb, waren wir uns noch näher als all die Jahre zuvor. Du suchtest Schutz bei mir und Trost und bis zum letzten Abend waren wir auf diese Weise verbunden. In stiller Einkehr entsinne ich mich der Zeit in der wir Freunde waren.

Du warst genau wie Dein Bruder einzig in Deiner Sanftmut und Liebe. Ich habe Dir und Deinem Bruder so unendlich viel zu danken für Eure Nähe und Vertrauen mir gegenüber. Meine Augen sehen Dich immer noch an Deinen Lieblingsplätzen zu den verschiedenen Zeiten des verrinnenden Tages. Vermissen Deine Silhouette dort, wo ich in gewohnter Weise auf Dich traf oder mit Dir rechnen durfte. Deine Geduld schien so unermesslich, wenn Du auf Deinen Papa gewartet hast.

Doch bleiben diese Orte alle nun verwaist und leer, ohne Dich, mein alter Freund. Und es schmerzt tief in meinem Inneren, wenn mir gewahr wird, warum das so und nicht mehr wie früher sein wird. Dieses vergangene Jahr hat den Schmerz über Deinen Verlust nicht mildern können.

Wie könnte es auch sein? Kann man etwas einmaliges einfach ersetzen oder vergessen? Den Schmerz verklingen lassen? Du und Dein Bruder wart Seelen von besonderem Vlies. So viel Vertrauen, so viel Liebe und Empathie. Wir haben unsere Gefühle geteilt und waren füreinander da. Ohne eine Bedingung. Ohne einen Anspruch.

Niemand denkt an den Tod, denkt an das unvermeidbare wenn scheinbar noch so viel Zeit verbleibt, obwohl unbemerkt Sandkorn für Sandkorn durch das Stundenglas des Lebens fließt, während wir Menschen dazu neigen diese letzte Wahrheit, diesen letzten Tag oder Moment zu verleugnen und aus unserem Denken zu verbannen.

Doch Zeit ist ein hartes Gericht und ohne Erbarmen oder einen Anwalt, wenn ihr Uhrenwerk das letzte Körnchen, den letzten Moment oder Augenblick für immer enden lässt. Ich wünsche mir, ich könnte dieses Gericht mit meiner Liebe zu Euch bestechen und um ein wenig mehr Gnade bitten. Um etwas mehr Zeit mit Dir mein alter Freund Asrael, mit Dir,
mein kleiner schwarzer Nepomuk-Mann.

Der Zufall spülte mich an Eure Küsten. Und Nepi hat für Euch beide entschieden mit mir diesen Weg zu gehen – die Magie eines einmaligen Moments. Er war so ruhig in meinem Arm als er starb. Aber Du mein Freund, wolltest noch nicht von mir gehen. Du hast gekämpft um jede weitere Sekunde. So wie in Deinen letzten Tagen, obwohl Du schon so unendlich schwach warst. Noch nicht bereit fortzugehen. Hast in den letzten Nächten fast so wie in den alten und guten Tagen mit mir gespielt als wolltest Du sagen: Ich bin doch da Papa, sieh nur! Sorge dich nicht!

Es war so schwer mein Kater, es war so unendlich schwer. Ich trug die Verantwortung für Euch beide im Regelsatz der Menschen. Ich musste die Worte sprechen, die Euch beiden letztlich
das Leben nahm.

Auch Du lieber Asrael hattest so viele Kosenamen im Laufe der Jahre erhalten. Immer wenn Ihr allein zu Hause wart, habt ihr auf uns gewartet und es war stets ein besonderes Glück zu sehen, wie Ihr beide Euch gefreut habt wenn wir wieder zurück daheim waren. Eben so sehr wie es jedes mal mein Herz berührte.

Mein guter Freund, mein lieber Kater Asrael. Du warst so stark all die Jahre hindurch. Selbst gesundheitlichen Unbill hast Du klaglos in Kauf genommen. Du hast mir vertraut. Das Dein Papa alles gut machen wird. Am letzten Tag Deines Lebens konnte ich mein Versprechen nicht halten. Unser letzter gemeinsamer Weg führte Dich in den Tod.

Nunmehr ist ein ganzes Jahr seit dem erlöschen Deines Lebens vergangen. Ich erinnere mich an jeden Schlag Deines Herzens, denn ich hielt Dich, sang Euer Weise als das Leben am 16.10.2019 um 12:30 aus Dir wich. So tapfer warst Du – mein Katerchen, mein „Schnurr-Bart“, hast so lange gekämpft. Und ich mit Dir; haben Deinen Bruder gemeinsam vermisst und uns
der glücklichen Tage entsannt.

Meine lieben Katzenkinder, noch immer gibt es jeden Tag diesen besonderen Augenblick – die „Geschöpfe-Zeit“, wo Euer Papa am Ende etwas „Feines“ für Euch aus der Unergründlichkeit eines Schubfaches hervorzauberte. Ihr habt Euch immer so gefreut! Jeden einzelnen Tag brennt ein Lichtlein für Euch, zu Eurem Gedenken, wartet noch immer Deine letzte Medizin und Dein Futternapf auf Dich mein Asrael. Auch wenn jeder Moment des Wartens in sich verloren sein wird, seit jenem Tag.

Heute leuchten zwei Lichtlein für Eure Seelen, weisen Euch den Weg zu dem Ort, an dem Ihr so viele Jahre verbracht habt und Euer Papa das Andenken an Euch bewahrt.

Wir waren stets mehr als nur Freunde – ein kleine Familie – in guten wie in schlechten Zeiten.

Euer/Dein Katzenpapa